Vorwort

In dieser Missionschronik blicken wir voller Dankbarkeit auf 100 Jahre Steyler Missionare in Indonesien.

Martin Üffing SVD

Vorwort

In einem Interview antwortete der am 3. Juli 2012 neu gewählte Generalsuperior der Steyler Missionare, P. Heinz Kulüke, auf die Frage, an welchen großen Themen die Steyler in den nächsten Jahren weiterarbeiten sollten, dass er etwas für die Menschen tun möchte, die ihm am Herzen liegen, für die Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Wörtlich: „Wir laufen ja nicht herum, fangen Heiden ein und taufen sie. Das ist ja längst vorbei. Im Grunde geht es um einen mutigen Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit. ‚Wo immer ich meine Wahrheit gefunden habe, da habe ich Gott gefunden‘, hat der heilige Augustinus einmal gesagt und darum geht es. Wir müssen einfach den Mut haben, uns für Wahrheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Und wenn dann die Frage gestellt wird, wird ein Missionsorden gebraucht, werden die Steyler Missionare gebraucht, dann ist die Antwort darauf ein ganz klares Ja. Und dann glaube ich auch – auch wenn es in der Kirche nicht besonders beliebt ist – dass wir die Stimme der Armen sein müssen ...“ Das geht – wie schon zur Zeit Arnold Janssens – nur in Zusammenarbeit mit vielen anderen: mit religiösen Gemeinschaften und mit Laien. Ein Blick in die Geschichte auch der Steyler Missionare bestätigt das: Mission war immer nur dort wirklich „erfolgreich“, wo viele Menschen einbezogen waren.
Am 20. Januar 1913 betrat P. Petrus Noyen aus den Niederlanden als erster Steyler Missionar indonesischen Boden. Die erste Basis der SVD im Lande wurde das Dorf Lahurus im Inneren der Insel Timor, wo am 1. März 1913 die Übergabe der Mission auf den Kleinen Sundainseln von den Jesuiten an die Steyler Missionare stattfand. Am 17. Januar 1936 legten die ersten sechs einheimischen Kandidaten der SVD in Indonesien ihre ersten Gelübde ab; am 3. Juni 1937 wurde das Steyler Priesterseminar in Ledalero in der Nähe von Maumere auf Flores eröffnet (siehe die Beiträge von Leo Kleden und Paulus Budi Kleden in dieser Chronik). Heute – 100 Jahre nach dem Anfang in Indonesien – gibt es in diesem größten islamischen Land der Welt vier Steyler Ordensprovinzen, in denen fast 1.200 Steyler Missionare – vor allem Einheimische (nämlich ca. 1.100), aber auch Mitbrüder aus verschiedenen anderen Ländern – leben und arbeiten oder ausgebildet werden. Etwa 1.500 Indonesier sind heute Steyler Missionare – sie arbeiten sowohl in ihrem Heimatland als auch in aller Welt: ca. 80 in Afrika, ca. 110 in Asien/Pazifik (außer Indonesien und Timor Leste), ca. 65 in Europa und ca. 150 in Amerika.
In dieser Missionschronik blicken wir voller Dankbarkeit auf 100 Jahre Steyler Missionare in Indonesien. Wir schauen auf eine und viele Geschichte(n) von Erfolgen und Misserfolgen, von neuen Aufbrüchen und Zusammenbrüchen, von Freuden und Leiden – eben auf 100 Jahre von Menschen in Gottes Mission. Wir bieten ihnen aus diesem Anlass im Bildteil zahlreiche Eindrücke vom Leben der Steyler in diesem faszinierenden Land der fast 14.000 Inseln. In diesem Zusammenhang möchten wir uns besonders bei Herrn Wolfgang Barth und Herrn Leonhard Fuchs bedanken, die uns so viele schöne Fotos dafür zur Verfügung gestellt haben. Verschiedene Beiträge in dieser Chronik berichten von der Geschichte und der Wirklichkeit der Steyler Ordensfamilie in Indonesien. Indonesische Mitbrüder und Schwestern sowie andere schreiben aus ihrer jeweiligen Perspektive und berichten von missionarischen Wirklichkeiten im Land. Dazu kommen Beiträge der Steyler Missionsschwestern zur Mission in Deutschland, Mosambik, Papua-Neuguinea, Taiwan, Timor Leste und ein Artikel über das Generalkapitel der SVD im Jahr 2012, bei dem eine neue Generalleitung gewählt wurde.
Die neue Generalleitung spiegelt ein wenig die internationale und interkulturelle Wirklichkeit des Ordens wider: Der Generalsuperior, P. Heinz Kulüke, stammt aus Deutschland, hat aber viele Jahre auf den Philippinen gearbeitet. Der Vizegeneral, P. Robert Kisala, stammt aus den USA und hat in Japan gearbeitet. P. Gregory Pinto stammt aus Indien und hat auf den Philippinen studiert, P. Arlindo Dias stammt aus Brasilien, Br. Guy Mazola stammt aus Kongo und hat auf den Philippinen gearbeitet, P. Paulus Budi Kleden stammt aus Indonesien und hat in Österreich und Deutschland studiert sowie in der Schweiz gearbeitet, P. José Antunes da Silva kommt aus Portugal und war Missionar in Ghana.
Das Thema des Generalkapitels lautete „Interkulturelles Leben und Interkulturelle Mission teilen“. Diese Missionschronik gibt ein wenig Zeugnis von beidem – dem interkulturellen Leben und der interkulturellen Mission der Steyler Ordensfamilie. Beides wäre ohne die Mithilfe vieler Freunde des Steyler Missionswerkes nicht möglich.
                                                                                                             Martin Üffing SVD

Seite im Heft 7f.