20.12.2025
Sankt Augustin / Deutschland - Untersuchung zur interkulturell-theologischen Hermeneutik von Glaubenspraktiken im Dialog mit indigenen Chiquitano-Gemeinschaften in Bolivien.
Den kolonialzeitlichen Missionsprojekten der Jesuiten in Lateinamerika wird zunehmend Interesse zuteil. Die jesuitischen Reduktionen waren spannende, spannungsreiche und vielschichtige Kontaktzonen an den geographischen, kulturellen, politischen und geistlichen „Peripherien“ europäischer Kolonialsysteme, in denen aus komplexen Aushandlungsprozessen zwischen indigenen Gemeinschaften und europäischen Missionaren „neue“ kulturelle und religiöse Lebens- und Glaubensweisen hervorgingen. Die Analysen kultureller, spiritueller und theologischer Inkulturations- und Übersetzungsprozesse in diesen Kontexten geben wichtige, neue Impulse für eine gegenwärtige systematisch-theologische und missionstheologische Reflexion auf die Grunddynamiken christlichen Glaubens, der sich in der Beziehung mit kulturell und religiös „Anderen“ in Geschichte und Gegenwart je neu herausbildet.
Die Lebens- und Glaubensweisen, die in den kolonialzeitlichen Begegnungen indigener Gemeinschaften mit europäischen Missionaren geprägten wurden, stellen grundlegende Ressourcen für die Ausgestaltung kultureller und religiöser Identitäten von Gemeinschaften in der Gegenwart dar. Es ist ein großes, bisher kaum aufgegriffenes Desiderat der theologischen Forschung und kirchlichen Pastoral, diese Gemeinschaften ihrem Selbstverständnis gemäß als Subjekte christlichen Glaubens, theologischen Denkens und kirchlichen Handelns in der Gegenwart vollständig anzuerkennen und einen konstruktiven, kontextsensiblen Dialog mit ihnen und ihren christlich-indigenen Ausgestaltungen von Leben und Glauben aufzunehmen.
In der vorliegenden Arbeit geht es um den Beitrag indigener Gemeinschaften in der bolivianischen Chiquitania zur Reflexion des christlichen Glaubens im Horizont kultureller und religiöser Pluralität und Differenzen. Wichtige Fragestellungen beziehen sich auf christlich-indigene Theologien (teologías indias cristianas) und die Volksreligion als Raum des Glaubenssinns im Horizont einer synodalen Kirche und Theologie im Zueinander der vielen und vielgestaltigen „Stimmen des Glaubens“.